Buchtipp: Bewegung und Mobilitätsförderung Praxishandbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe

Das neue Fachbuch von Dr. Elke Schlesselmann eklärt die Zusammenhänge von Bewegungsverhalten und Gesundheit in verschiedenen Settings und mit einem breiten Spektrum an Interventionen. Was motiviert zur Bewegung? Wie können wir unseren „inneren Schweinehund“ überwinden? Und wieviel Bewegung ist optimal für unseren Körper? Diese Fragen werden im Rahmen unterschiedlicher Motivationstheorien vorgestellt. Das breite Spektrum an Interventionen umfasst Maßnahmen aus den Disziplinen der Sportwissenschaften, der Medizin, sowie der Pflege und Therapie.

Buchcover Bewegung und MobilitätsförderungGesundheit
Einleitend werden in diesem Buch die „reinen“ Gesundheitsaspekte von körperlicher Bewegung vorgestellt, die für alle Altersgruppen, für Gesunde und Kranke, kognitiv Intakte und Menschen mit Demenz gelten. Für alte Menschen gibt es inzwischen klare ärztliche Empfehlungen, welches Minimum an körperlicher Bewegung nicht unterschritten werden sollte.
Dabei sind drei Aspekte wichtig: Wie bekomme ich diejenigen, die es am dringendsten brauchen, aus dem Sessel, wie motiviere ich sie zur Bewegung, welche Bedeutung hat Bewegung im sozialen Zusammenhang, und welche Wirkung hat körperliche Bewegung auf den Erhalt der kognitiven Fähigkeiten.

Gesund im Alter
Viele Erkrankungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, sie sind „Alterskrankheiten“. Oft sind sie schicksalhaft und nicht heilbar, erfordern jedoch nichtsdestoweniger Behandlung – zur Linderung und „Symptomkontrolle“, aber auch, um ein Fortschreiten zumindest aufzuhalten. Das ist Aufgabe der stets wichtiger werdenden Geriatrie. Ein großer Teil der sogenannten Alterskrankheiten betrifft die Beweglichkeit, zentral über das Nervensystem, peripher über die Funktionseinbußen des Bewegungsapparates.

Pflege
Pflegeaufwand und Immobilität stehen in direkter Beziehung:
Zwischen diesen Formen extremer Immobilität, sprich Abhängigkeit, und einem gesunden Alter, das durch Mobilität möglichst auch gesund bleiben soll, liegt das weite Spektrum, mit dem Pflege zu tun hat. Damit ist sie natürlich nicht allein. Medizin, die begleitenden Therapien und die unbezahlten Helfer, die Angehörigen vor allem, sind unentbehrliche Stützen. Und ganz klar: Ohne Absprachen und Austausch wird man nichts erreichen. Aber die Pflege hat eben auch sehr spezifische Aufgaben, die sie kaum delegieren kann. Im Buch wird aufgezeigt, welche Defizite im Bereich Mobilitätsförderung in der Pflegepraxis bestehen, welche Voraussetzungen eine wirksame Förderung braucht, und welche Methoden geeignet sind, da Abhilfe zu schaffen.

Besondere Gruppen
Einige Gruppen von Pflegebedürftigen erfordern besondere Expertise. Das sind einmal die Menschen mit Demenz, von denen ein kleinerer Anteil motorische Unruhe, die Tendenz zum „Wandern“ zeigt. Eine Ausnahme in unserem Zusammenhang, denn meist ist das therapeutische Ziel ja grade die Steigerung der motorischen Aktivität. Eine weitere Gruppe, die besondere Expertise für eine adäquate Betreuung braucht, stellen die Menschen mit Behinderungen dar.

Kunst der Pflege, Kunst der Bewegung
Verschiedene „Schulen“ haben Zugänge zu einem vertieften Verständnis von Bewegung und Körperstellung entwickelt. Der Ansatz der Kinästhetik geht von einer exakten Selbstwahrnehmung der eigenen Bewegungsabläufe aus, die dann in die ergonomische und kommunikative Vervollkommnung der Pflege umgesetzt wird. Die Bobath-Bewegung entstand aus dem ärztlichen Bemühen um Menschen mit motorischen Ausfällen durch neurologische Erkrankungen. Daraus ist inzwischen ein umfangreiches und ungemein praktisches Wissensgebiet entstanden, das überall in die allgemeine Pflegepraxis ausstrahlt.
Bei der Lagerung in Neutralstellung (LiN) verhält es sich ähnlich – auch sie ist Bestandteil der allgemeinen Pflege geworden. Ihr Ziel ist, Kranke so zu lagern, dass der Auflagedruck nirgends kritische Werte überschreitet, und dass die Gelenke weder schmerzen noch Kontrakturen entwickeln. Der Zusammenhang mit dem Thema Bewegung ergibt sich zwanglos daraus, dass ein Mensch ohne schmerzende oder kontrakte Gelenke sich leichter und lieber bewegt.

Kommunikation
Vielen Kapiteln unterschiedlicher Autoren in dieser Monografie ist ein überzeugend humaner Ansatz gemeinsam: Der Gedanke nämlich, sich mit dem oder der Pflegebedürftigen zunächst und vor allem zu verständigen, auf verschiedene Weise und verschiedenen Ebenen. Kinästhetik stellt vor der eigentlichen Bewegungsaktion den Kontakt mit dem Menschen her. So werden die so alltäglichen und banal erscheinenden pflegerischen Abläufe zu Gesprächen, sie lassen den erkrankten Menschen teilhaben an dem, was folgt.

Selbstwert und Lebensqualität
Pflege stellt insofern ein Stück Lebensqualität wieder her, Teilhabe könnte man ganz allgemein als das soziale Element von Lebensqualität auffassen. Ein ebenbürtiger Begriff ist die Betätigung, wie er von der Ergotherapie – und nur von ihr – eingebracht wird. Betätigung bindet die Pflegebedürftigen ins soziale Gewebe ein, auch sie ist ein Element von Teilhabe.

Freiheit
Mit „Mobilität“ meinen wir ja keineswegs nur die Fähigkeit, unseren anatomischen Bewegungsapparat zu betätigen, sondern auch und vor allem, uns dahin zu bewegen, wo wir hinwollen. Allein das Bewusstsein, den Ort wählen zu können, den Ort, an dem man ist, zu verlassen, ist ein unschätzbarer, wenn auch häufig nur subjektiver Wert. Denn natürlich nehmen wir nur eine bescheidene Auswahl der Möglichkeiten wahr, manchmal auch gar keine – es genügt, wählen zu können. Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die uns in unserem Bewegungswunsch unterstützen können und diese sind hier beschrieben.

Buchpräsentation Dr. Elke SchlesselmannUnterstützung bei Pflegebedürftigkeit
Wichtig auch vor allem für die häusliche Pflege: Die Frage, welche Unterstützung ist möglich, was wird finanziert? Zweidrittel der Pflege wird immer noch – meist von nahen Angehörigen – zu Hause geleistet. Diese brauchen Hilfe, und sie steht ihnen zu. Dann gibt es die „Kleinen Hilfen“, die unentbehrlichen kleinen Helfer im Pflegealltag, zum Lagern, Betten, Aus-dem-Bett-Bewegen. Sie sind eher passive Hilfen für den Pflegebedürftigen, für eine schonende und schmerzarme Umlagerung bei der Pflege, wichtig aber auch vor allem fürs rückenschonende Arbeiten.

Selbstpflege
Die meisten Pflegenden machen ihre Arbeit gerne und lieben diesen Beruf, der so nah am Menschen ist. Da mögen die kleinen Tricks und Hilfen, die im Buch vorgestellt werden, dazu helfen, im Pflegealltag besser zurechtzukommen, Atem zu holen und bei der Stange zu bleiben.
Bewegung bedarf der Motivation, um sie selbst durchzuführen und es bedarf der Motivation, um Bewegung in einer Institution einzuführen. Hier gibt es unterschiedliche Motivationsansätze, denen der Mensch dann folgt bis es dann schließlich Gewohnheit wird und nicht mehr der Rede wert ist!

Die Autorin
Dr. Elke Schlesselmann ist ausgebildete Krankenschwester, dipl. Pflegewirtin und Lehrerin für Pflegeberufe. Sie hat im Bereich Public Health an der Universität Bremen zum Thema Bewegung promoviert.
Die Überprüfung des Schmerzmanagements bei über 100 hochaltrigen Menschen haben letztendlich dazu geführt, dass sie sich dem Thema der Bewegung gewidmet hat: Bewegungslosigkeit kann Ursache und Folge von Schmerzen sein. Dr. Elke Schlesselmann arbeitet seit über 10 Jahren in der Stabstelle Qualität für die Bremer Heimstiftung. Darüber hinaus ist sie als freiberufliche Beraterin und Autorin tätig.

Bewegung und Mobilitätsförderung Praxishandbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe ist bei hogrefe erschienen, hat 368 Seiten und kostet € 39,95. Es ist auch als eBook erhältlich.